bos
  Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt

https://myblog.de/bos

Gratis bloggen bei
myblog.de





Die Menschen sind der Suggestion unterworfen.

Kennt irgend jemand die moderne Sage, in der ein Mann abends in einem K?hlcontainer eingesperrt wurde. Er verbrachte dort die ganze Nacht, schrieb in sein Notitzbuch eine Dokumentation seines K?ltetodes, und als man am n?chsten Morgen den Container ?ffnete, war der Mann tot.
Im Grunde nicht weiter verwunderlich, w?re da nicht dieses kleine Detail gewesen: Der K?hlraum war nicht aktiviert worden, in ihm herrschte normale Zimmertemperatur.

Unabh?ngig davon, ob man dieser Geschichte Glauben schenken will, zeigt sie sehr deutlich, wie der menschliche Geist funktioniert.
Wir alle kennen Momente, in denen wir das Gef?hl haben, genau zu wissen, was im n?chsten Augenblick geschieht. Oder zum Telefon greifen, um eine Freundin anzurufen, die gerade uns anruft.

Der Mensch ist der Suggestion unterworfen.
Wir k?nnen selbst K?rperfunktionen beeinflussen, von denen man annimmt, dass sie automatisch funktionieren. Beispiel hierf?r ist der Herzschlag, den man mit einer einfachen Trommel langsamer oder schneller machen kann.
Wer sich einredet, eine Grippe zu bekommen, weil er durch den Regen gelaufen ist, wird husten, wer hingegen die Sicherheit hat, dass ihm nichts passieren wird, wird auch nicht krank, wenn er im Winter im Shirt auf die Stra?e geht.

Nun reicht es nat?rlich nicht, sich etwas, vor dem man Angst hat, immer wieder vorzusagen. Aber eine feste ?berzeugung, dass es so sein wird, kann Berge versetzen.
Hat jemand schon einmal versucht, in einer Gro?stadt im Zentrum einen Parkplatz zu bekommen? Wenn man der festen ?berzeugung ist, dass man einen finden wird, dann wird man ihn auch finden.

Das bedeutet gleichzeitig, dass nicht nur wir dieser Suggestion unterworfen sind, sondern auch alles, was uns umgibt.
Ein Kind, das keine Angst hat, herunterzufallen, kann auf einem Hochseil balancieren, es wird nichts passieren.
Im umgekehrten Fall muss man einem Kind nur sagen: "Pass auf, dass du das Einkaufsgeld nicht verlierst!" und man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass das eintreten wird.

Wir sind in der Tat Sch?pfer unseres Universums, in dem wir alle Sorgen und N?te vereinen, die dann den Rahmen unseres Lebens abstecken. Im Grunde ist das Leben ein Spiel der unbedeutenden Dinge. Denn am Ende bleibt nichts mehr, was wirklich wichtig ist. Auf dem Totenbett wird uns der Kontostand eher nicht mehr interessieren, auch nicht, mit wem wir welche Verabredung hatten oder wer uns an den Karren gepinkelt hat und aus welchem Grund.

Daraus l?sst sich eine gewisse Ruhe f?r den Alltag ableiten, denn nichts, was wir hier spielen, ist wirklich wichtig. Es dient uns zur Unterhaltung, damit uns nicht langweilig wird, aber wirklich wichtig ist nichts davon.
In dem System, in dem wir hier leben, wird uns von allen Seiten immer Wichtigkeit suggeriert, wo keine ist.
Ich will nicht sagen, dass nichts wirklich wichtig ist, denn solange wir leben, ist es schon wesentlich, sein Brot zu verdienen und seine Kosten zu tragen. Aber wenn wir uns klarmachen, dass das alles nur ein Spiel ist, nimmt das den Druck aus unserem Leben.

Nehmen wir ein Beispiel:
Zwei Semester, bevor ich mein Studium begann, warf sich ein junger Student, der im dritten Versuch durch eine Pr?fung gefallen war, aus dem Hochhaus des Unicenters.
War es das wert?
Was w?re denn das Schlimmste gewesen, was ihm h?tte passieren k?nnen? Eben keinen Job als Rechtsanwalt zu haben, sondern sein Geld auf eine andere Weise verdienen zu m?ssen.
W?re das wirklich so schlimm gewesen?
Offensichtlich schon.
Zumindest hatte es gereicht, dass er sich aus dem Fenster warf.

Was wirklich passiert war, wissen wir nicht, aber vielleicht k?nnen wir uns zumindest einige Argumentationsketten des Studenten denken.
Vielleicht hat er sich vor der Reaktion seines Umfeldes gef?rchtet. Alles zeigt auf ihn und br?llt: "Versager!"
Vielleicht war sein Vater schon Anwalt und wollte unbedingt, dass der Sohn als Partner in die Kanzlei einsteigt.

Was auch immer die Beweggr?nde des Jungen waren, n?chtern betrachtet kann kein Ereignis unseres Lebens so wichtig genommen werden, dass wir uns deswegen umbringen. Aber auch ?rgern sollten wir uns deswegen nicht, denn es kommt ohnehin immer genauso wie es kommen soll.
Vielleicht w?re er ein toller Arzt geworden, wenn er sich umorientiert und von vorne begonnen h?tte.

Das Leben ist ein Spiel. Und als solches ist es spannend und mit immer steigendem Schwierigkeitsgrad. Alles andere w?re ja auch wirklich zu langweilig, oder?
25.7.04 17:55


Das ist es nun also:
Mein Weblog, die andere Seite meines Ich. Hier versammelt sich alles, was meine rationale Seite nicht erkl?ren kann. Versuchen wir, daraus einen interessanten Ort zu machen.
25.7.04 17:25





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung